Frei-religiöse Gemeinde

Offenbach

Gedanken und Bekenntnisse zur Freien Religion

Folgende Ausführungen und Gedanken sind freie Bekenntnisse und Aussagen zu und über Freie Religion. Sie erheben keinen allgemeingültigen Anspruch, sondern sollen die verschiedenen Glaubens- und Weltanschauungen beispielhaft repräsentieren, die sich in der Gemeinschaft Freier Religion wiederfinden können.

Wir glauben, dass im Menschen Anlagen für das Gute und das Böse vorhanden sind.

Wir glauben, dass durch eine ausgewogene Erziehung und ein intaktes Umfeld das Gute überwiegen wird.

Wir glauben, dass durch eine schlechte Erziehung und ein schlechtes Vorbild das Böse Vorrang erhalten kann.

Wir glauben, dass wir Verantwortung tragen für die Natur, die Gemeinschaft, unsere Mitmenschen und uns selbst.

Wir glauben, dass es möglich ist, Veränderung zu bewirken.

Wir glauben, dass der Mensch ständig auf der Suche ist nach dem Weg, der ihm sinnvoll erscheint.

Wir glauben, dass es kein Leben nach dem Tode gibt; wir leben im Hier und Jetzt.

Wir glauben, dass die Freie Religion dem Menschen Wegbereiter und Wegweiser zugleich ist.

Wir glauben an die Freiheit.

 

Wir glauben an die Liebe zueinander - wir sind frei-religiös.

Als Menschen freier Religion,

die das eigene Leben

als Teil des allumfassenden Lebens verstehen

und die sich der eigenen Verantwortung

für eine sinnvolle Gestaltung und Führung des Lebens bewußt sind,

arbeiten wir

über trennende Glaubensgrenzen hinweg

an der Verwirklichung unserer Glaubensideale:

Freiheit, Vernünftigkeit und Duldsamkeit.

 

Freiheit

- im Sinne persönlicher Selbstbestimmung -

ist uns Grundlage unserer Religion,

statt Bindung an äußere Bekenntnisformeln.

 

Vernünftigkeit

- im Sinne steter Überprüfung der Lebenserfahrung-

ist uns Richtschnur in unserer Religion,

statt blinder Übernahme von ungeprüfter Tradition.

 

Duldsamkeit

- im Sinne von Bereitschaft, immer neu zu lernen

und offen zu sein für neue Weisheiten -

ist uns der Weg unserer Religion,

 

die viele Ansichten und Gebräuche als gleichberechtigt gelten läßt.

Ich bekenne meine Verpflichtung zu

täglich neuer Tat an mir selbst und meinem Nächsten,

damit ich furchtlos und stolz, gütig und weise

mein Leben erfülle

und ohne alle Sorge um Strafe oder Lohn

es vollende.

 

Ich ergreife die Welt als eine Aufgabe,

die zu lösen mein Wille

sich fort und fort entflammen muß,

damit allem Leben zu immer edlerer Gestaltung

stets neuer Raum geschaffen werde.

 

Ich erlebe gläubig

in allem Werden und Geschehen

das unbegreifliche Wirken Gottes,

unfaßbar und unerkennbar

 

und doch ewiger Inhalt und Sinn allen Seins.

Ich beuge mich in Ehrfurcht vor der ewigen Macht,

die, erhaben über den Rahmen aller menschenähnlichen Persönlichkeit,

sich durch alle Welten einheitlich betätigt und auch mich durchwaltet.

 

Ich glaube aus ganzer Denk- und Gemütskraft

an das anfanglose, unendliche, lebendige, höchste Wesen des Kosmos, des Universums,

der Gottnatur, das mit keinem Bild und Namen erschöpfend gekennzeichnet wird.

Aus ihm bin ich, wie alles Seiende geboren;

bin aus dem Schoß der Sternenwelt, der Organismenwelt, der Menschenwelt-Entwicklung zu meinem Ich gekommen, um mich als bewußtes Spiegelbild des göttlichen Allwesens nach seinen großen inneren Gesetzen zu steter Vervollkommnung auszuleben und mich sterbend wieder in ihm aufzulösen.

Unvergänglich wird es meine Spur bewahren, wie es einst, seit ewig, meine Keime wob.

 

Alle Kunst und Wissenschaft und Moral - Tod, Leid und Seligkeit, -

Hoffnung, Arbeit, Beruf, Persönlichkeits- und Gemeinschafts-Leben

in Familie, Staat, Menschheit, die ganze Natur und Kultur

 

klingt mir harmonisch weihevoll zusammen in meiner Religion.

Ich glaube an das Selbst. Meiner eigenen Selbstbestimmung bewußt und der Fähigkeit in mir, schöpferisch tätig zu sein, finde ich mein alltägliches Leben lebenswert. Andere Bezeichnungen, die traditionsgemäß den Begriffen gegeben wurden, die ich hier "Selbstbestimmung" und "Schöpferisches Sein" nenne, sind "Persönlichkeit", "Göttlichkeit", "Buddhaschaft".

Ich glaube an Andere.  Da ich an das Selbst glaube, komme ich nicht umhin, auch an meinen Nachbarn zu glauben, der ein anderes selbständiges, schöpferisches Selbst ist.

Ich glaube an die Gemeinschaft. Beide, mein Selbst und das meines Nachbarn sind eigenständig. Aber das macht uns nicht völlig unabhängig voneinander. Es ist die Einzigartigkeit eines jeden Selbst, die eine wahre Gemeinschaft möglich macht. Gemeinschaft ist das Voneinanderabhängigsein von Menschen, die zur gleichen Zeit abhängig und zuverlässig sind. Dies ist die Quelle gesellschaftlichen Zusammengehörigkeitsgefühls und menschlicher Liebe.

Ich glaube an die Dreieinigkeit von Selbst, Anderen und Gemeinschaft. Gemeinschaft hat ihre Eigentümlichkeit, die sich vom eigenen Selbst und von anderen unterscheidet. Obwohl diese drei voneinander unterscheidbar sind, sind sie in dem Sinne eins, als jedes die beiden anderen voraussetzt. Keinem kann der Vorzug gegeben werden.

Ich glaube an die Einheit von Natur und menschlichem Dasein. Alle Dinge im Weltall und die menschlichen Wesen, die die Dreieinigkeit von Selbst, Anderen und Gemeinschaft ausmachen, sind eins.

Ich glaube an die Religionsgemeinde. Ich kann mein wahres Selbst nur leben, wenn ich einer Religionsgemeinde angehöre; diese ist die Arbeitskraft aller Gemeinschaft.

Ich glaube an eine besondere Ausprägung der Religion. Was mich anbetrifft, so gehöre ich der freireligiösen Vereinigung in Tokio an. Aber keine einzige Religion kann religiöse Wahrheit für sich allein beanspruchen oder völlig beinhalten.

Ich glaube an die Freie Religion. Der Kern religiösen Lebens muß endloses Streben und Suche nach allumfassender und höchster Wahrheit durch das Mittel einer eigenen Religion sein. Solch ein Vorgang religiösen Strebens, das heißt der lebendige Impuls der Religion, ist das, was ich unter Freier Religion verstehe.

Ich glaube an die menschliche Natur:

      jede Sünde, die wir begehen, ist gegen das Gesetz unserer

      Menschlichkeit.

Ich glaube an Freiheit, Kraft und Freude:

      denn sie bedeuten die Höhen des Lebens.

Ich glaube an die majestätischen Berge, die zeitlosen Sterne und

      an den Wind, der von den Wassern weht.

Ich glaube, dass alle Dinge dem Gesetz der Entwicklung

      unterworfen sind:

      kein Glaubensbekenntnis, keine Religion, keine Regierungs-

      form oder menschliche Gemeinschaft, kein Schönheitsideal,

      kein moralisches Gesetz ist endgültig und vollkommen.

Ich glaube an die Möglichkeit der Entwicklung:

      an eine langsame und notwendige Verbesserung der

      menschlichen Gesellschaft.

Ich glaube an Offenherzigkeit, sie wird niemals enttäuscht

      werden.

Ich glaube an eine unsichtbare Kraft, die in allem Guten verborgen

      ist.

Ich glaube an die Unsterblichkeit jeder guten Tat und jedes guten

      Gedankens.

Ich glaube an den schöpferischen Wert des Leidens.

Ich glaube, dass Wissen Mitgefühl hervorbringt.

Ich glaube an eine Vergebung der Sünden:

      denn jeder Mensch ist einer Vergebung würdig.

Ich glaube an die Befriedigung, die in gut getaner Arbeit liegt, an

      die Bewunderung derer, die wir lieben, an die heilende Kraft

      der Pflichterfüllung, an die Kraft des menschlichen Geistes,

      die gestellten Aufgaben zu erfüllen.

All diese Dinge sind das Lebenselixier - der vollkommene Trost.

Ich erhebe meine Hände trotz aller Fehler, Torheiten und Ängstlichkeiten und sage:

 

das Leben ist gut - so gut!

Ich glaube,

dass der Mensch ein Teil der Natur ist,

ein Teil dessen, was aus sich selbst heraus entstanden ist.

Ich glaube,

dass das Leben des Menschen einmalig ist.

Ich glaube,

dass der Mensch lebt, um glücklich zu sein.

Ich glaube,

dass der Mensch die Fähigkeit hat, gut oder böse zu sein.

Ich glaube,

dass der Mensch das Recht hat, frei zu sein.

Ich glaube,

dass das innerste und wichtigste Anliegen des Menschen seine

Religion ausmacht, und daß diese gleichsam das Herz seines Menschseins ist.

Ich glaube,

dass dieses Herz nicht gegen den Geist ist, sondern eher alles sittliche und vernünftige Leben bewirkt.

Ich glaube,

dass diese Religion sich nur in Freiheit entfalten kann, und daß sie dementsprechend auch anderen Glauben nicht verurteilt oder als falsch ausschließt.

Ich glaube,

dass Wahrheit immer mit Liebe gekoppelt sein soll, weil sie sonst unmenschlich wird, und daß Liebe für alle gelten muß, um Gerechtigkeit zu erlangen.

Ich glaube,

dass der Mensch nur in Bezug zu seinem eigenen Inneren, zu seinen Mitmenschen und zur Gesamtheit allen Daseins sich erfüllt, und daß sittliche, verantwortliche Entscheidungen nur in diesem Beziehungsgeflecht gefällt werden können.

Ich glaube,

dass jeder einzelne Mensch wichtiger ist als Besitztümer, Ideologien oder Organisationen, und daß die menschliche Würde einer jeden Person unverzichtbares Gut ist.

Ich glaube,

dass es wichtiger ist, hier zu leben als nach dem Tod und so will ich das Leben in seiner ganzen Mannigfaltigkeit erkennen, ehren und seine Aufgaben erfüllen, solange es mir gegeben ist.

Ich glaube,

 

dass ich Anteil habe am Geheimnis allen Seins und ewig in seinen Grundkräften geborgen bin, daß es aber wichtig ist, in der Stunde des Todes vor mir selbst und dem, was ich aus dem Geschenk des Lebens gemacht habe, getrost bestehen kann.

Ich glaube

an die schöpferische Macht in allem, was ist, auch wenn mein Begreifen davor versagt.             

Ich glaube,

dass alles, was geschieht, seinen sinnvollen Platz hat, auch wenn ich daran oft irre werde.

Ich glaube,

dass mein Weg nicht ins Leere läuft, auch wenn ich nicht sehe, wohin er führt.

Ich glaube:

Diese schöpferische Macht will sich verwirklichen an mir und allen Menschen aus der Tiefe unseres Wesens heraus.

Sie überwindet meinen Widerstand und macht mich heil.

Dieser Macht darf ich mich anvertrauen.

Sie lässt mich immer neu gewiss werden:

Ja ist stärker als Nein,

Dasein ist stärker als Nichtsein,

Liebe ist stärker als Angst.

 

Diese Macht schließt mich zusammen mit allen Menschen und Wesen in Ehrfurcht, Dankbarkeit, Zuwendung und Dienst.

Religion ist für mich:

was mich im Innersten bewegt,

was mich zutiefst angeht,

was mir wesentlich ist.

Wichtig ist: Ich muss mich selbst entscheiden.

Mir hilft kein Dogma, keine Vorschrift, kein Gebot.

Ich fühle mich als Teil des Universums und bekenne mich zum gemeinsamen Leben mit Mitmenschen, Tieren und Pflanzen.

Eine Weltanschauung kann ich mir bilden. Sie wird weitgehend von meinem Verstand geprägt sein. Religiosität dagegen ist mein innerstes Anliegen und zwingt mich zur Entscheidung und zum Handeln.

Ausschlaggebend für mein Handeln ist mein eigenes Wertsystem, nicht die Moral der Gesellschaft, noch das Dogma einer Kirche und auch nicht ein, meiner Auffassung nach, ungerechtfertigter Paragraph eines Staatsgesetzes.

Kunst in jeder Form kann sehr wohl mit Religion zu tun haben, wie auch Arbeit, Liebe, Mitmenschlichkeit und anderes. Es kommt dabei einzig auf die Motivation des Menschen an.

Dieses Motiv, meine Lebensmelodie, will ich mir von nichts und niemand vorschreiben lassen. Es kommt, das ist mein fester Glaube, aus meiner eigenen Mitte, deren Tiefe im Ursprung der Dinge wurzelt, die das Prinzip für das Werden und Vergehen des Lebens ist.

Eine große Ruhe überkommt mich, wenn ich wirklich und wahrhaftig verstehe und fühle, daß ich ein Teil vom Grenzenlosen bin. Was ich denke, wo ich gehe, was mir widerfährt - immer bin ich ein Teil des Seins, dessen Gesetze ich achte.

Aus dem Gefühl der Verbundenheit mit allem Lebendigen wächst mir Verantwortung, Liebe und Kraft!

Damit verschwindet die tödliche Vereinsamung, die zu Angst, Depression und Sinnlosigkeit führt.

Es ist unnütz, die Frage nach dem "Sinn des Lebens" zu stellen. Es stört mich nicht, daß solche Frage keine Antwort findet. Im Gegenteil, eine letzte Unsicherheit vertieft mein Lebensgefühl. Es braucht nicht alles rational aufzugehen.

Ich freue mich der Sonne, ohne die auf unserer Erde kein Leben möglich ist und ich stehe staunend und ehrfürchtig vor dem Geheimnis des Lebens, das sich in so vielfältiger Form und Farbe in Schönheit vor meinen Augen auftut.

Ich sehe zugleich die von Menschen verursachte Zerstörung, die sie, weil sie Naturgesetze nicht genügend beachtet haben, heraufbeschworen haben.

Sollten wir Menschen nicht die Kraft aufbringen, je nach unserer Veranlagung, in unserer Art, dazu beizutragen, unsere Erde und unser Zusammenleben auf dieser Erde menschenwürdiger zu gestalten?

Auch das ist Religion.

 

Packen wir es an!

Wir widmen unser Leben jener "höheren Treue, die die Götter leugnet und die Felsen wälzt" wie Sisyphus uns lehrt, und wir schlußfolgern mit ihm, "daß alles gut ist".

Obwohl zu einem Leben verurteilt, das Schmerz und Leid genauso wie das Absurde, das Ungewisse und Unbekannte einschließt, sagen wir mit Camus: "Ja, ja, ja zu allem".

 

Von dem Motto geleitet: "Eine Frage ist wichtiger als eine Antwort und das Bemühen ist das wichtigste von allem" klettern wir zum Gipfel hinauf. Unser Weg wird steil und unser Atem kurz, doch wir haben mit Martin Luther King "Einen Traum" und wir "Folgen dem Lichtstrahl" mit Merlin. Und wenn das Licht zu verlöschen beginnt, werden wir froh sein, etwas Wertvolles vollbracht zu haben, selbst wenn es nur das Lächeln über unser menschliches Versagen sei.

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D-63067 Offenbach

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