Frei-religiöse Taufe – Aufnahme in die Gemeinschaft, Gesellschaft und Natur

Die Taufe ist die Aufnahme, das „Eintauchen“ – aus dem Griechischen baptízein (βαπτίζειν) – das Platz-Finden, in der Gemeinschaft Freier Religion, in der Gesellschaft und in der allumfassenden Natur. Schon 400 Jahre v.Chr. nennt Platon die Taufe und ihren rituellen Charakter. Die Berührung mit Wasser versteht die Freie Religion als symbolische, rituelle Handlung, bei welcher der Mensch mit dem Urstoff des Lebens verbunden wird. Auch wenn der Begriff der Taufe weitläufig immer wieder mit der christlichen Theologie verbunden wird, sieht die Frei-religiöse Gemeinde Offenbach diese Feier im Lebenskreis als vielmehr auf das Wesentliche rückbesinnend:

Die Frei-religiöse Taufe versteht sich nicht als Reinwaschung von Sünde oder als Zusammenwachsen mit einer Heilsfigur.

Wir wollen das neue Menschenleben in unserer Gemeinschaft Freier Religion, in unserer Gesellschaft und in der Natur willkommen heißen, dem Menschen unsere Wünsche, und bei Neugeborenen, die der Paten und der Eltern mit auf den Weg geben.

Staunen wollen wir vor dem Wunder des Lebens,
Achten wollen wir die Natur, das All, das Ewige Prinzip des Werdens und Vergehens,
Dort, wo wir uns unsicher fühlen, können wir einander Halt geben,
Hier wo wir einander Halt geben, können wir zusammen hoffen und wirken.
Denn erhaben und andächtig bebt unser Herz, gegenüber dem Unbeschreiblichen,gegenüber jedem neuen Leben, das das Licht dieser mannigfaltig schönen Welt erblickt.

(Auszug aus einem Tauftext)

Frei-religiöse Konfirmation – Bestärkung und Bestätigung im Erwachsenwerden

Die Frei-religiöse Konfirmation (lat. confirmare „bestärken, bestätigen, versichern“) ist eine Feier im Lebenskreis, die die Jugendlichen auf dem Weg in das Erwachsenwerden bestärken und ihnen auch die religiösen und weltanschaulichen Ansichten der Frei-religiösen Gemeinde näher bringen soll. „Der Mensch im Mittelpunkt“ und „Die Religion als Ureigenstes und Persönlichstes, das dem Menschen innewohnt“, sind die Leitmotive zu dieser Feier. Sie führt zur Mitgliedschaft in einer Religionsgemeinschaft, der keine Dogmen und keine Einschränkung des Individuums in seiner Entfaltung zu Grunde liegen.

Damit einhergehend bedeutet die Konfirmation die Aufnahme der Jugendlichen in die Gemeinde als eigenständiges Mitglied. Sie haben mit ihrem 14. Lebensjahr die gesetzlich verankerte freie Willensentscheidung, sich der Religionsgemeinschaft anzuschließen und können nun als Mitglied z. B. in Gemeindeversammlungen mitwirken.

Die Frei-religiöse Gemeinde Offenbach hat es sich zur Aufgabe gemacht, den Jugendlichen eine offene Weltanschauung näher zu bringen, die von menschlichen Werten und rationalem Hinterfragen geprägt ist. Die Gemeinde möchte dadurch wieder mehr zu eigenem Denken anregen und das Verständnis und die Toleranz der Jugendlichen in der heutigen Gesellschaft fördern.

Vorbereitend auf die Konfirmation werden die Jugendlichen zur aktiven Beteiligung an der Zeremonie inspiriert und mit den Inhalten der Freien Religion vertraut gemacht; dabei geht es um die Beachtung der Grundsätze der Vernunft, des Humanismus und der Toleranz auf dem Weg zum Erwachsensein.

Zum Konfirmandenunterricht gehören neben einigen Samstagsterminen (10 – 16 Uhr) auch ein viertägiges Seminar mit anderen Gemeinschaften zusammen und ein Wochenende mit der Freireligiösen Jugend mit der Gestaltung einer Feierstunde.

Frei-religiöse Trauung – Gemeinsames Leben Für- und Miteinander

Trauungen und Hochzeiten im Sinne Freier Religion sind die Feier des vor der Gemeinde und den Mitmenschen gegebenen Versprechens, ein Zusammen-Sein in Vertrauen und Liebe beteuern zu wollen. Nicht vor einem Gott wird der Bund besiegelt, sondern vor einem Selbst und der Gemeinschaft in der Bekräftigung für das gemeinsame Leben im Mit- und Füreinander. Wir wollen die „Hohe Zeit“ feiern: Das Verbundensein zweier Menschen in der Unbeschreiblichkeit der Liebe, die das stärkste Band bedeutet, und das gegenseitige Bestreben zusammen zu wachsen und zu wirken.

Die Frei-religiöse Gemeinde Offenbach sieht die Beziehung zweier mündiger Menschen in Liebe und Vertrauen als ein vom Geschlecht unabhängiges Bedürfnis, das in der Natur des menschlichen Wesens seinen Urgrund findet. Wie die Religion selbst ist das Empfinden von und für Liebe, Geborgenheit und Sexualität ureigenste Bestimmung des mündigen Menschen.

Liebe ist die Möglichkeit der Überwindung des Abgetrenntseins ohne sich, sein Selbst, zu leugnen.

(vgl. Fromm, Erich: Kunst des Liebens)

Trauerfeiern – Erinnerungen und Spuren des Wirkens

Für die Gemeinschaft Freier Religion bedeutet die Trauerfeier das würdevolle Abschiednehmen von einem Menschen, der mit seinem Tun und Denken seine Spuren in uns und in unserer Wirklichkeit hinterlassen hat. Jeder einzelne Mensch wirkte in seinem Leben im Großen und Ganzen der Gesellschaft und der Natur mit, hat seinen festen Platz in diesem unüberschaubaren Gefüge gehabt und behält ihn in den Erinnerung und Auswirkungen seines Seins. Daraus erschließt sich die Notwendigkeit, dass die verstorbene Person im Mittelpunkt der Trauerrede steht, dass die Angehörigen im Abschiednehmen, sich des Wirkens und Miteinander mit der Person gewahr werden.

Das Wesen der verstorbenen Personen, die mit ihr oder ihm geteilten Erinnerungen, finden ihre letzte Ruhestätte in den Herzen und Gedanken der nahestehenden Menschen. Der Körper kehrt zurück in die Natur, aus der er geboren war.

Trost und Halt in diesen Momenten und Zeiten der Trauer geben nicht ein Paradies oder die Vorstellung vom Leben als Durchgangsstation. Vielmehr gilt es sich auf das Hier und Jetzt zu besinnen, in dem der Mensch mit seinem Handeln wirksam ist und bleibt. Dass wir im Miteinander und Füreinander Halt geben und finden, sodann in Erinnerung aus Trauer Freude wird, wenn wir des verstorbenen Menschen gedenken und um sein Fortbestehen in uns und damit in der Welt wissen.

[…] dem unbeschreiblichen Geheimnis der Natur und des Allseins stehen wir alle fragend und staunend gegenüber. Dem Unfassbaren der aneinander hängenden Geschehnisse und Ereignisse können wir in den Grenzen unseres Verstandes folgen und dem Kommen und Gehen im Dasein können wir mit Ehrfurcht und Erinnerung begegnen.

(Auszug aus einer Traueransprache)